1854

sucht sich Pfarrer Denger vier Frauen aus, um einen Frauenverein zu gründen. Er selbst ist Präsident und schreibt auch gleich das Protokoll - 50 Jahre lang! Das grosse Gefälle zwischen Armut und Reichtum beeinflusst zu dieser Zeit die Arbeit des Frauenverein sehr.
Die erste Traktandenliste:
- Versorgung armer Kinder in Familien und Anstalten
- Betreuen der Arbeitsschule
- Lokal suchen für Kindergarten
- Schmücken des Weihnachtsbaumes für die Schuljugend
- Allfällige Anträge

Die vier Frauen haben die Aufgabe, verwahrloste Kinder und bedürftige ältere Personen ausfindig zu machen. Gleichzeitig: Mitgliedersuche, um die Finanzen des Vereins zu stärken. Jahresbeitrag = Fr. 2.50. Nach dem ersten Jahr besteht ein grosses Loch in der Kasse. Deshalb: Durchführung einer
Lotterie

- Gaben erbettelt
- Im Rösslisaal ausgestellt
- Lose verkauft
- Reingewinn Fr. 900.--
- Rössliwirt erhält Fr. 20.-- in Gold für die Saalbenützung und die Mägde Fr. 5.-- für die Arbeit...!



1858

hat der Frauenverein sieben Vorstands- und etliche Dutzend Vereinsmitglieder. Allerdings hat Pfarrer Denger zu klagen: Schlecht besuchte Vereinssitzungen - kein Interesse an ehrenamtlicher Tätigkeit. Eine Jahresversammlung kann nicht durchgeführt werden, weil nur der Präsident und sechs Vorstandsmitglieder anwesend sind. Die Folge davon: Unentschuldigtes Fernbleiben = Busse von einem Batzen! Weitere Klage des Pfarrers: Unanständige Schuljugend, die durch Mangel an Ruhe und Ordnung die Weihnachtsfeier stört.



1859

Nach wiederholter Warnung und andauernder Respektlosigkeit gegenüber dem Frauenverein wird die Weihnachtsfeier abgeschafft!



1878

Jungfrau Plattner übernimmt die Leitung des Kindergartens - mit einem Jahreslohn von Fr. 500.--. Sie bleibt 40 Jahre im Amt. Kasse des Frauenverein: Dann und wann ein Defizit! Zunahme der Spenden. Bierbrauer Flüge (wohnte im Haus Marktgasse 5 - gegenüber dem neuen Gemeindezentrum) spendete beim Tod seiner älteren Tochter Fr. 1'000.-- für einen Fond zur Anstellung einer Gemeindekrankenschwester. Deren Amtsantritt erfolgt allerdings erst 1908.



1902

Erstmals werden die "Ameisenpakete" erwähnt. "Ameisen" = Frauen und Töchter aus Basel, die sich verpflichten, im Laufe eines Jahres drei Kleidungsstücke zu nähen. Diese werden dann Jahr für Jahr im November in verschiedene Baselbieter Gemeinden verschickt. Die Pakete sind hochgeschätzt.



1906

wird Pfarrer Wilhelm Müller neuer Präsident des Frauenverein.



1914

im August bricht der erste Weltkrieg aus.
Aktivitäten des Frauenverein:
- Einrichtung einer Suppenküche
- Im "Konfirmandensaal" werden Socken gestrickt
- Einrichtung einer Sammelstelle für Kleider und Wäsche



1918

Die spanische Grippe bricht aus. Der Frauenverein richtet im "neuen Schulhaus" (heutiges altes Gemeindehaus) ein Notspital ein. Wer sich krank fühlt, soll sofort ins Notspital eintreten, "bevor sich die Erreger verbreiten". Mitzubringen sind: Bettzeug, Leibwäsche, Brot-, Milch- und Fettkarten. 27 Patienten werden aufgenommen, zwei Frauen sterben während des Aufenthaltes. Harte Kriegszeiten für viele Familien.



1922

ca. Beitritt des Frauenverein zum Bund schweizerischer Frauenvereine auf Initiative von Fräulein Eva Gerster (Vorstandsmitglied). Neue Ideen und Anregungen sind die Folge.



1924

Aus der Bevölkerung erwächst der Wunsch nach einer alkoholfreien Gemeindestube. Der Frauenverein sammelt Geld, veranstaltet einen Bazar und



1928

erfolgt die Gründung des "Gemeindestubenvereins". Das erforderliche Gebäude entsteht aber erst 1936.
Am 7. September reisen ein paar Frauen vom Frauenverein an die SAFFA nach Bern. Pfarrer Müller unterstützt diesen Besuch sehr, "da die Orientierung immer nützlich, die Frauenbewegung im Umbruch ist und die Frauen immer selbständiger werden". In diesem Jahr erfolgt auch der Beitritt zur Frauenzentrale Baselland.



1931

stirbt Pfarrer Müller. Fräulein Gerster übernimmt a.i. die Geschäfte.



1932

Nach 78 Jahren Männerdomäne wird Frau Pfarrer Hoch die erste Präsidentin des Frauenvereins. 14-tägig werden Frauenabende im "Unterrichtshüsli" organisiert. Dort werden Geschichten erzählt, Bücher vorgelesen, es wird über die Rechte und Pflichten der Frau gesprochen, über Politik, aber niemals ohne Strickarbeit! (Aus diesen Anfängen entsteht der heutige "Helferkreis".) Gleichzeitig erscheinen langsam drohende Wolken am sozialen und politischen Himmel. Zunahme der Arbeitslosigkeit in ganz Europa.
Die Traktandenliste des Frauenverein wird immer länger:
- Hilfsaktion für St. Galler-Sticker
- Hilfsaktion für Notleidende in Oesterreich
- Verkauf von Arbeiten tuberkulöser Patienten aus Davos
- Kampf bei der Schulpflege für die Einführung des hauswirtschaftlichen Unterrichts für Mädchen der 7. und 8. Klassen.



1939

Ausbruch des zweiten Weltkrieges

Sammelzeit!

- Für das Rote Kreuz: Kleider
- Für die Einrichtung eines Sanitätszimmers: Wolldecken, Wäsche, Brillen, Kräutertee, Dörrobst, Zahnprothesen und Verbandsmaterial
- Für die Soldatenfürsorge: Pakete für die Wehrmänner

Räume der Fortbildungsschulung werden zur Soldatenstube umfunktioniert. Naben Kuchen, Schenkeli, Aenisbrötli und Gugelhopf, Kaffee, Tee und Süssmost, sind auch Gratiszeitungen, Schreibpapier und sogar ein Radio (von Herrn Maurer gestiftet) vorhanden. Zwar behauptet der Fourier: "Dä Süessmoscht suffe unseri Soldate nit!" Irrtum: In neun Tagen werden 200 Liter Most ausgeschenkt und die Soldaten erklären: " Es isch sauguet und saubillig!".



1942 - 1944

Für die im Lager "Junkerschloss" (bei Hemmiken) internierten Polen wird durch den Frauenverein die Wäsche gewaschen und geflickt. Frauen klagen: "Das können wir nicht mehr lange machen, denn wir haben für unsere Familien ohne Männer zu sorgen - dazu kommt noch die Flüchtlingshilfe, wieder Sammeln und Betreuen".



1945

Gründung der Mütterberatung. Die Hebamme wird von der Gemeinde bezahlt.



1949

Der Kindergarten wird neu durch die Gemeinde geführt. Aus einem reinen "Wohltätigkeitsverein" wird ein vielfältig ausgerichteter Verein für die Anliegen von Frauen. Gründung der Altersstube mit eigenem Leiterteam.



1963

Ein sehr aktives Jahr
- Gründung der Brockenstube - um den italienischen Gastarbeitern eine günstige Einkaufsmöglichkeit zu bieten
- Beginn der Ausrichtung von finanziellen Unterstützungen für Freizeitkurse, Altersstube, Mütterberatung sowie für Einzelpersonen und Familien (in Zusammenarbeit mit der Fürsorgebehörde)



Heute

haben sich die grundlegenden Aufgaben des Frauenverein gewandelt. Die Vernetzung mit anderen Organisationen und Vereinen ist wichtiger denn je. Trotzdem sollen die Werte des über 150-jährigen Vereins erhalten bleiben.

Der Frauenverein arbeitet
- nach wie vor in der Brockenstube und ermöglicht mit deren Erlöse finanzielle Zuwendungen
- zusammen mit der OASE (Familienbegegnungszentrum)
- für Flüchtlinge und Asylanten (Flüchtlingstag)
- für die Aufgaben von Frauenplus Baselland (Tag der Frauenwerke)
- bei Aktionen diverser Veranstalter mit, indem er seine sehr beliebte Kaffeestube führt

Der Frauenverein unterstützt finanziell
- die Väter- und Mütterberatung, die Altersstube, den "Sünneliclub", die Gemeindeweihnacht, weitere Organisationen in der Aufbauphase i. S. von Initiativbeiträgen, Einzelpersonen und Familien

Der Frauenverein pflegt den Kontakt zu seinen Mitgliedern
- durch Geburtstagsbesuche (ab dem 80. Altersjahr)
- durch die jährliche Frauenvereinsreise
- durch Freizeitkurse
- durch weitere Veranstaltungen



Text: Ruth Bothe-Staehlin